Agroforst in der Schweiz
Agroforstsysteme kombinieren Bäume, Sträucher und landwirtschaftliche Kulturen in einer Weise, die Böden regeneriert, die Biodiversität fördert und klimatische Vorteile bietet. Diese nachhaltige Anbaumethode steigert nicht nur die Fruchtbarkeit der Böden, sondern trägt auch aktiv zum Klimaschutz bei.
Die Bäume speichern CO₂, verbessern die Wasserrückhaltefähigkeit der Böden und schützen vor Erosion. Durch die geschickte Kombination von mehrjährigen Gehölzen mit landwirtschaftlichen Nutzpflanzen oder Weideflächen entstehen widerstandsfähige Ökosysteme, die langfristig stabile Erträge ermöglichen. Agroforst steigert die Biodiversität, fördert das natürliche Nährstoffrecycling und schafft einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Folgende Seite gibt einen Überblick, wie Agroforstsysteme in der Schweiz umgesetzt werden und welche Effekte sie für die Umwelt erzielen,

Die Kastanienselven im Tessin gehören zu den traditionellen Agroforstsystemen der Schweiz (Quelle: Mareike Jäger)
Definition Agroforst
In Agroforstsysteme werden Gehölze (Bäume oder Sträucher) gezielt mit einer landwirtschaftlichen (Pflanzenbau oder Tierhaltung) oder gartenbaulichen Unternutzung kombiniert.
In der Schweiz haben traditionelle Agroforstsysteme eine jahrhundertelange Tradition, wie die Wytweiden / Waldweiden im Jura, die Kastanienselven im Tessin oder die Hochstamm-Feldobstbäume.
Rückgang der traditionellen Agroforstsysteme
In den letzten Jahrzehnten gab es einen starken Rückgang der traditionellen Agroforstsysteme. Gründe umfassten die zunehmende Mechanisierung der Parzellen mit grösseren und schlagkräftigeren Maschinen, Konkurrenz aus den effizienter zu bewirtschaftenden Obst-Plantagen, Förderpolitik und Subventionen für die Entfernung der Hochstamm-Obstbäume.
Jedoch hatte dieser Wandel starken Einfluss unter anderem auf die Biodiversität und Landschaft, sowie auf weitere Faktoren wie z.B. die Erosion.

Ettenhausen bei Wetzikon ZH, Luftbildaufnahme 1932, Bundesamt für Landestopografie ©swisstopo
Rund um die Dörfer und auf den Acker- und Graslandflächen waren 1932 noch viele Hochstamm-Feldobstbäume verbreitet.

Ettenhausen bei Wetzikon ZH, Luftbildaufnahme 2025, Bundesamt für Landestopografie ©swisstopo
Durch Intensivierung, Fällaktionen und Konkurrenz durch effizientere Plantagen gab es einen starken Rückgang der traditionellen Agroforstsysteme.

Agroforst mit Wertholzerzeugung bei Nicolas Bovet, Arnex-sur-Orbe VD
Rennaissance mit modernen Agroforstsystemen
Seit den 2000er Jahren findet jedoch eine Renaissance mit einer Ausrichtung auf moderne Agroforstsysteme statt. Diese sind angepasst an eine effiziente, landwirtschaftliche Mechanisierung. Dazu kommt, dass sich die Produktpalette erweitert hat.
So wird, wie in den traditionellen System auch, viel Obst produziert. Andere Produkte umfassen jedoch auch die Produktion von Spezialitäten wie Wildobst, Wertholz, Einträge zu Biodiversitätsförderung, sowie Laub zur Futterproduktion.
Die Vielfalt der modernen Agroforstsysteme in der Schweiz
Generell wird unterschieden zwischen Agroforsts auf dem Acker (silvoarabel) oder in Kombination mit Grasland (silvopastoral). Einige Spezialformen, wie Agroforst im Weinbau (Vitiforst) werden nachfolgend ebenfalls vorgestellt.
Die modernen Systeme haben ganz klar den Effizienzgedanken und die einfache Bewirtschaftung im Hinterkopf und werden an die Bewirtschaftung mit schlagkräftigem Maschinenpark angepasst.

Agroforst mit Nussbäumen bei der Domaine du Bugnonet, Lully FR

Agroforst mit Busch- und Hochstamm-Feldobstbäumen im Ackerbau bei Jürg Strauss, Rickenbach ZH (Quelle: Agridea)
Alley Cropping
Für die Effizienzsteigerung werden viele moderne Agroforstsysteme werden als Alley Cropping, (Allee- der Streifenanbau), in parallelen Linien gepflanzt, um die Bewirtschaftung und Mechanisierung zu vereinfachen.
Dabei bemessen sich die Abstände der Gehölzreihen oft nach den Arbeitsbreiten der genutzten Maschinen.
Die Unternutzung und die Nutzung der Baumstreifen ergibt eine sehr grosse Vielfalt der Systeme, die sich an so gut wie jedes Betriebskonzept anpassen lassen.
In der Unternutzung können verschiedene andere Kulturen angebaut werden, wie:
- Ackerbauliche Kulturen wie Getreide, Mais, Raps
- Gemüse
- Obst
Keylines
Im Unterscheid dazu passen sich Systeme im «Keyline» unter anderem den sogenannten Schlüssellinien oder Gelände-Konturen an. Diese werden genutzt, um eine gleichmässigere Wasserverteilung in der Fläche zu erreichen und Erosion zu verhindern.
Unterstützt werden können diese durch Gräben und Teiche, die den Wasserfluss noch mehr lenken und das Wasser auffangen.

Agroforst im Ackerbau bei Meinrad Betschart, Rickenbach SZ (Quelle: Thomas Aföldi, FiBL bei Meinrad Betschart)

Keyline im Gemüsebau bei Markus Schwegler, Katzhof LU (Quelle: Thomas Aföldi FIBL)

Futterhecken bei Pirmin Adler, Hof Adlerzart, Oberrüti AG (Quelle: Pirmin Adler)

Kühe mit noch jungen Futtergehölzen bei Jean Yves Billaud, Orzens VD (Quelle: Johanna Schoop beiJean Yves Billaud)
Futterhecken
Futtergehölze bestehen aus Sträuchern und Bäumen wie Weiden, Linden, Eschen oder Hasel (und vielen weiteren), deren Blätter und Zweige als natürliches Zusatzfutter für Tiere genutzt werden können.
Dabei können die Gehölze entweder direkt beweidet, dass Futter im Stall oder auf der Weide frisch vorgelegt, oder auch auf dem Heustock getrocknet werden als Winterfutter.
Viele Gehölzarten liefern ein eiweiss- und mineralstoffreiches Futter. Als Futtergehölze in Frage kommen unter anderem:
- Weiden
- Linden
- Hainbuchen
- Maulbeeren
- Erlen
- Esche
- Apfel- / Birnenbaum
- Ulmen
- etc.
Vitiforst
Vitiforst bezeichnet die Kombination von Reben und Bäumen im Weinberg. Bäume werden gezielt zwischen oder neben Rebzeilen gepflanzt.
Traditionell waren auch Systeme bekannt, in die der Baum als Stütze genutzt wurden, sogenannte Vite Maritata, oder verheiratete Reben.
Die Weinrebe als Liane und ursprüngliche Waldpflanze fühlt sich unter bestimmten Baumarten sehr wohl, unter anderem unter Maulbeerbäumen. Bei anderen Baumarten, wie z.B. Eichen ist es besser, diese neben die Rebzeile oder neben den Weinberg zu pflanzen, da ein stärkere Wurzelkonkurrenz besteht.

Agroforst im Weinbau – Vitiforst (Quelle: Linnéa Hauenstein, FIBL)

Der Baumstreifen zwischen den Bäumen kann für weitere Gehölze, zur Erzeugung von Gemüse oder als Biodiversitätsfläche genutzt werden. (Quelle: Mareike Jäger)
Nutzung der Baumstreifen
Baumstreifen stellen, neben den der landwirtschaftlich genutzten Fläche und den Gehölzen, eine dritte Ebene im Agroforstsystem dar. Während viele Baumstreifen einfach gemulcht werden, nutzen andere Betriebe die Streifen für die Produktion weiterer Kulturen (Gemüse und Gewürzpflanzen, Obst) oder für die Anlage von Biodiversitätsförderflächen.
Umsetzung konkret – Agroforst Praxisbeispiele aus der Schweiz
Praxisbeispiel Biohof Las Sorts, Filisur GR – Marcel Heinrich
Entstehung
Die Betriebsleitenden entschieden sich für die Anlage von Agroforstsystemen aus mehreren Gründen. Unter anderem war die Steigerung der Klimaresilienz, die Förderung von Obstbau im Berggebiet, mehr Biodiversität und die reiner Freude an den Bäumen entscheidend, da der Betriebsleiter früher Forstwart war.
In dem inneralpinen Trockental mit seinen geringen Niederschlägen war es ein zusätzlicher Ansporn, durch Bäume Bodenerosion zu verringern und den Bewässerungsbedarf zu reduzieren.

Marcel Heinrich vom Biohof Las Sorts im Agroforstsystem. (Quelle: Las Sorts)
Umsetzung

Agroforst-Anlage auf dem Biohof Las Sorts (Quelle: Las Sorts)
Zu Beginn wurden die Bäume vor allem im Grünland und an Ackerrändern gepflanzt, da eine gewisse Zurückhaltung bestand, Gehölze direkt in den Acker zu setzen. Mittlerweile entstehen auch Baumreihen im Ackerland selbst. Mit wachsender Erfahrung werden agronomische Bedürfnisse bei der Neuanlage stärker gewichtet.
Es wurde am Anfang wurde viel Wert auf die Pflanzung von seltenen Obstsorten von Äpfeln, Birnen, Zwetschgen, Quitten, Nüssen und Kirschen gelegt.
Die Entwicklung der Bäume ist sehr positiv, und der Bewirtschaftungsaufwand in der mechanisierte Landwirtschaft bleibt bei guter Planung gering.
Die Vermarktung von Tafelobst, Most und Trockenfrüchten erfolgt über den Hofladen und regionale Gastronomiebetriebe. Ein gegründeter Verein im Tal koordiniert zudem das Mosten und die Sortenpflege.
Herausforderungen
Der anfänglich hohe Wilddruck durch Hirsche machte umfangreiche Wildschutzmassnahmen nötig. Inzwischen hat sich die Situation dank der Anwesenheit des Wolfes entspannt.
Die Bewässerung in den ersten beiden Jahren erwies sich als aufwändiger als erwartet. Die Baumpflege bleibt weiterhin arbeitsintensiv, lässt sich aber gut in ruhigere Phasen einplanen.

Der hohe Wilddruck machte umfangreiche Schutzmassnahmen im Agroforst erforderlich. (Quelle: Biohof Las Sorts)
Besonderheiten des Systems

Drohnenbildaufnahme Agroforst Las Sorts (Quelle: Las Sorts)
Vor rund 20 Jahren wurde mit den ersten Pflanzungen begonnen, vorerst ohne detaillierte Planung oder Vermarktungskonzepte. Heute fliessen die gesammelten Erfahrungen in jährliche Neuanlagen ein. Anfangs lag der Fokus auf alten und seltenen Obstsorten, inzwischen werden stärker standort- und nutzungsbezogene Faktoren berücksichtigt.
Positiv überrascht hat die gute Entwicklung der Bäume auf 1000 m ü. M.
Empfehlungen zur Umsetzung von Agroforst – Las Sorts
- Gut planen, und dann frühzeitig mit der Umsetzung beginnen, um die positiven Effekte der Gehölze schnellstmöglich nutzen zu können
- Praxiserfahrung in der Beratung einholen
- Nicht zu viel auf einmal pflanzen, da der Bewässerungsaufwand in Trockenjahren hoch ist
- Leitäste steiler erziehen, um Schneebruch vorzubeugen
Praxisbeispiel Hof Adlerzart, Oberrüti AG – Pirmin Adler
Entstehung
Der Betreib Adlerzart bewirtschaftet einen Betrieb mit Direktvermarktung, Mutterkuhhaltung mit Limousin, Weidegeflügel mit der Zweinutzungsrasse Bresse-Gauloise, Ackerbau, und ein Agroforstsystem mit Mehrnutzungshecken.
Pirmin Adler setzt abei auf Futtergehölze als zentrales Element des Agroforstsystems.
Nach einem Kurs zu regenerativer Landwirtschdft und Experimenten mit Frischhäckseln im Stall entwickelte er ein umfassendes Konzept zur Integration von Futtergehölzen in seine Weiden.
Ziel ist es dabei eine «Wohlfühloase für Tier und Mensch» zu schaffen, denn die Weiden dienen nicht nur den Tieren als Futterfläche, sondern auch dem Menschen als Arbeitsplatz, den es angenehm zu gestalten gilt.
Bei der Auswahl der Futtergehölze steht neben dem Ertragswert auch die Inhaltsstoffe im Vordergrund, die verschiedene Wirkungen, wie antiparasitäre Wirkung oder Wirkstoffe zur Verbesserung der Verdauung, enthalten können.

Umsetzung

Die in Blockdesign angelegten Futtergehölze auf dem Hof Adlerzart (Quelle: Pirmin Adler)
Es wurden verschiedene Beratungen einbezogen und der Planungsprozess zog sich über einen längeren Zeitraum.Es wurden verschiedene Beratungen einbezogen und der Planungsprozess zog sich über einen längeren Zeitraum.
Es wurden verschiedene Beratungen einbezogen und der Planungsprozess zog sich über einen längeren Zeitraum.
Pirmin legte dabei grossen Wert darauf, dass die Planung sowohl ein gutes Pflanzdesign als auch eine einfache, rationelle Bewirtschaftung ermöglicht. Dabei wurde darauf geachtet, dass der Kuhverkehr nicht beeinträchtigt wird und die Tiere ausreichend Platz haben.
Die Anlage der Gehölzstreifen wurde im Vorhinein mit Gründüngungsstreifen «vorgetestet». Dies hatte zweierlei Vorteile. Einerseits konnte so das Design ohne direkte Pflanzung getestete werden. Desweiteren ermöglichten die Gründüngungstreifen bei der darauf folgenden Pflanzung vereinfachte Bedingungen
Die Streifen sind bei den Stockhecken im Block angelegt, was die Ernte, die Pflege und die Konkurrenz unter den Pflanzenarten reduziert. Die Stockhecken werden regelmässig bodeneben abgeerntet. Schnitthecken werden auf vorher definiertes «Gerüst» zurückgesetzt.
Das Futterlaub kann entweder direkt beweidet werden, oder geerntet, den Tieren vorgelegt oder als Winterfutter getrocknet werden.
Herausforderungen
Da Futterhecken in dieser Form noch eine relativ neue Entwicklung sind, stand zum Zeitpunkt der Planung wenig Wissen zur Verfügung. Dies führte zu hohen Planungsaufwänden und zu viel Aufwand für das Zusammentragen vorhanden Wissens.
Durch die zusätzlichen Strukturen in der Weide erhöht sich der Aufwand für Schnitt, Pflege und die Zaunführung.
Bis erste grössere Erträge durch die Gehölze zu erwarten sind, wird die Flächeneffizienz erstmal reduziert.
Auch der Investitionsbedarf ist am Anfang hoch. Dieser konnte mit Mitteln aus Förderpreisen, lokalen Initiativen, Stiftungen und Eigenmitteln gedeckt werden. Der Arbeitsaufwand der Pflanzung konnte mit Freiwilligen reduziert werden.

Rinder und Hühner in den Futterhecken. (Quelle: Pirmin Adler)
Besonderheiten des Systems

Das Laubfutter wird von den Tieren gerne angenommen. (Quelle: Raphaela Graf)
Bei der Pflanzung wurde auf eine hohe Artenvielfalt mit verschiedenen Gehölzarten gesetzt. So sind neben Eschen, Hainbuchen, verschiedenen Weiden auch Maulbeeren und Nadelhölzer zu finden. Dies bietet den Tieren ein breites Spektrum sekundärer Pflanzenstoffe für die Tiergesundheit, da jede Art ein eigenes Inhaltsstoffmuster mit sich bringt.
Desweiteren wurde bei des Auswahl auf unterschiedliche Blüh- und Fruchtzeitpunkte gesetzt, was die Biodiversität unterstützt.
Die Gehölze können entweder direkt beweidet oder geerntet werden, wobei verschiedene Erziehungsmethoden, wie Schnitthecken, Stockhecken, und Kopfbäume zum Einsatz kommen.
Empfehlungen zur Umsetzung von Agroforst – Hof Adlerzart
- Welche Bewirtschaftungstypen (Stockhecke, Schnitthecke, Kopfhecke, Kopfbäume…) passen am besten auf den Betrieb? Und welche Gehölze, mit guten Futterwerten, eignen sich dazu (so eignen sich z.B. Weiden nicht für Schnitthecken).
- Gehölzpflanzungen im «Blocksystem» (also zum Beispiel 10-20 Meter Feldahorn, dann 10-20 Meter Buche usw.) entschärfen die Konkurrenzsituation zwischen den Pflanzenarten, erleichtern die Bewirtschaftung/den Unterhalt und ermöglichen eine isolierte Futterernte.
- Die Fläche schrittweise anlegen. Neue Erfahrungen können so fortlaufend integriert werden.
- Vielfalt pflanzen. Neben den Gehölzen, welche in grossen Mengen verfüttert werden können, auch solche in die Anlage integrieren, welche weniger nährstoffreich sind, dafür andere Inhaltsstoffe haben. Dazu gehören zum Beispiel Nadelgehölze (vor allem Fichte, Weisstanne), welche unter anderem antiparasitär und positiv auf die Atemwegsorgane wirken.
Ökologische, landwirtschaftliche und klimatische Vorteile von Agroforst

Der Baum als «Schweizer Taschenmesser», der vielfältigste Aufgaben in der LAndschaft und im Sysmte übernimmt (Quelle: David Dellas in Arbres et Climat Le champ des possibles, 2019 , Link zur Broschüre)
Neben den direkten Produkten, die von den Bäumen oder Sträuchern aus Agroforstsystemen erzeugt werden können, wie Obst, Wertholz oder Futterlaub, bieten die Gehölze viele weitere, direkte und indirekte Vorteile.
Man kann den Baum auch als «Schweizer Taschenmesser» bezeichnen, mit seinen vielfältigen Funktionen, die er auf der Fläche und im System einnimmt.
Einfluss auf das Mikroklima
Die Gehölze in Agroforstsystemen schaffen in ihrer unmittelbaren Umgebung ein eigenes Mikroklima. Sei es durch Schattenwurf, die Verdunstung über das Laub oder den Einfluss als physische Windbarriere, im dem sie Windgeschwindigkeiten abbremsen und Verdunstung des Bodens reduzieren.
So können Bäume unmittelbar die Temperatur um 2 bis zu 4 Grad im Durchschnitt senken und sorgen für weniger Hitzestress bei Tieren.
Auch im Weinbau kann sich der Schatteneffekt bemerkbar machen. Bei zu hoher Sonneneinstrahlung sind manche Traubensorten von Sonnenbrand gefährdet. Die Integration von Gehölzen kann diesen Effekt abmildern.
Einfluss auf den Wasserhaushalt
Die tiefer reichenden und beständigen Wurzeln der Gehölze sorgen für eine bessere Infiltrationsfähigkeit der Bäume. Ebenso sind die Gehölze physische Barrieren. Durch die beiden Effekte wird Oberflächenabfluss und Erosion reduziert.
Durch den Humusaufbau im Boden erhöht sich dessen Speicherfähigkeit, was die Böden resilienter bei Klimaschwankungen machen kann. Dazu kommt der «Hydraulic lift / hydrolischer Auftrieb» Effekt, bei der die Baumwurzeln Wasser aus tieferen Bodenschicht in die höheren, eventuell trockeneren Schichten aufziehen und so auch anderen Kulturen zur Verfügung stellen.

Gehölze können eine natürliche Barriere für Erosion bieten. Gräben können den Wasserrückhalteffeckt verstärken. (Quelle: Katzhof Markus Schwegler)

Agroforstsyteme können vielfältigen Lebensraum bieten (Quelle: Mareike Jäger)

In Agroforstsystemen finden Greifvögel reichhaltiges Beuteangebot. Dennoch müssen die Bäume mit Sitzstangen geschützt werden, damit die Astspitzen nicht abbrechen. (Quelle: Agridea bei Jean Yves Billaud)
Einfluss auf die Biodiversität
Agroforstsystem schaffen neue Lebensräume und Futtermöglichkeiten für Vögel, Insekten, Fledermäuse und auch verschiedene Pflanzenarten.
Die Bäume selbst können je nach Art eine Vielfalt an Blüten- und Früchten anbieten, zum Teil auch mit einem sehr frühen Pollenangebot (Weiden, Kornelkirsche, Ahorn).
Ganz praktisch berichten Betriebsleitende, dass sie erstaunt sind, wie schnell sich ein Biodiversitätseffekt auf der Fläche bemerkbar macht. Sei es, dass nach der Pflanzung am nächsten Tag direkt neue Spinnweben in den Bäumen zu finden sind, oder das nach wenigen Jahren der Etablierung plötzlich wieder seltene Arten, wie z.B. der Wiedehopf zu finden ist. So sind auch Mauswiesel, seltene Schmetterlingsarten oder Greifvögel schon nach wenigen Jahren vermehrt in den Systemen anzutreffen.
Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit und das Bodenleben
Böden sind Lebensraum für eine Vielzahl verschiedener Organismen, wie Bakterien, Pilze, Hefen, Regenwürmer, Insekten und viele weitere.
Agroforstsysteme wirken sich unterschiedlich auf diese Lebensgemeinschaften aus.
Die Gehölze sind beständige Strukturen, die zum Teil mehrere Jahre bis Jahrzehnte Bestand haben und sie ein stabiles Ökosystem bieten, im Unterschied zu den ackerbaulich genutzten Flächen, in den zum Teil jedes Jahr mindestens eine Bodenbearbeitung und jährlich wechselnde Kulturen angebaut werden.
So werden die Baumstreifen weniger bewirtschaftet als z.B. die Ackerflächen. Dies führt dazu, dass sich Pilze und die mikrobielle Vielfalt anders entwickeln kann. Durch die Baumwurzeln und Blätter werden Nährstoffe in den Boden eingetragen, die das Bodenleben zusätzlich fördern. So zeigten Studien, dass in Agroforststreifen die Anzahl an Regenwürmern drei bis zwölfmal höher als im Ackerbaulich genutzten Fläche ist, und auch die Anzahl an Asseln, Springschwänzen und Milben ist höher.
Mykorrhiza-Pilze, die in Agroforsttreifen vermehrt vorkommen, erweitern die Wurzeloberfläche der Bäume, in denen sie mit ihnen eine Symbiose eingehen. So können andere Nährstoffbereiche erschlossen werden.
Der Eintrag der Wurzeln, und das diese im Boden verbleiben, fördert zusätzlich den Humusaufbau. Auch sorgen sie für eine bessere Versickerung des Oberflächenwassers.

Die Wurzeln von Gehölzen erschliessen deutlich tiefere Bodenschichten. (Quelle: Nathalie Dakhel-Robert, Agridea)

Gehölze geben der Landschaft Struktur und beeinflussen das Empfinden der Ästhetik. (Quelle: Mareike Jäger)
Einfluss auf die Landschaft und Wirkung auf den Menschen
Bäume in der Landschaft könne den Erholungswert der Landschaft erhöhen und fördern die Strukturvielfalt.
Studien belegen, dass das Wohlbefinden in einer strukturreichen Landschaft steigt. Die Landschaften sind abwechslungsreicher und bieten einen höheren Erholungswert. So werden Produktion, Biodiversität und Ästhetik miteinander verbunden.
Projekte und Bildung zu Agroforst in der Schweiz
Agroforstsysteme bleiben, wenn sie einmal angelegt sind, Jahrzehnte bestehen. Daher sind Informationen zu einer gute Planung und Umsetzung für die Betriebe unerlässlich und notwendig. Verschiedene Institutionen bieten Informationen und Beratung, Forschung und Weiterbildung zu dem Thema an.
Bildung und Beratung
Kantone
Förderung
Die Anfangsinvestition der Systeme und der Ressourcenaufwand nicht zu unterschätzen. Dazu gibt es verschieden Fördermöglichkeiten, die die Betriebe unterstützen.